Ein spontaner persönlicher Brief an meine FreundInnen  in Deutschland

Der „persönliche Brief“ von Dorothee Vakalis erschien in FaktenCheck:HELLAS Nr. 2, Mai 2015, in deutlich gekürter Form. Nachfolgend die ungekürzte Fassung:

 

Ihr Lieben,

Einige  von Euch  fragen mich, wie es mir als  Frau mit einem deutschen Pass zur Zeit  in Griechenland so gehe. „Musst du als Deutsche viel von dem Hass der Griechen auf die Deutschen einstecken? Müssen wir uns Sorgen um Dich machen? Kann man noch nach Griechenland reisen?“  Vielleicht sollte ich  Euch etwas von meinem Leben in Griechenland erzählen – von einem Leben als Auswanderin, als deutschsprachige Heiratsmigrantin seit 40 Jahren…. Eine unter 50.000 oder mehr in diesem Land.  Ja, es war in den letzten 40 Jahren noch nie so schlimm, so verhärtet zwischen unseren beiden Ländern wie zur Zeit. Immer wieder gab es mal Spannungen, damals im Kosovo-Krieg, als viele deutsche Frauen in Thessaloniki sich in einem Brief gegen die Invasion der Nato wendeten und so zwischen zwei Stühlen saßen, als die „Bild“-Zeitung und andere anfingen, zu Beginn der Krise  von den faulen und gierigen Griechen zu schreiben (übrigens, diese Bilder wurden nach einer langen philhellenischen Phase erstmals  von den Nazi verbreitet, nachdem sie den Widerstand der Griechen während der Besatzung zu spüren bekamen). Weiterlesen

Harald Weinberg in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 2, Mai 2015

Seit 2012 ist das deutsche Gesundheitsministerium (BMG) – von vielen unbemerkt – offizieller „Domain Leader“ für Strukturreformen im griechischen Gesundheitssystem. Das gesundheitspolitische Memorandum of Understanding (MoU) wurde im April 2012 zwischen dem griechischen Gesundheitsministerium, dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und der von der Europäischen Kommission eingesetzten Task-Force Griechenland unterzeichnet. Hierin wurden drei zentrale Bereiche benannt, in denen grundlegende Veränderungen erreicht werden sollen: Arzneimittelpolitik, die Einführung von Fallpauschalen in der stationären Versorgung und die Organisation des neu geschaffenen Krankenversicherungsträgers EOPYY.

Es gehe jetzt darum, die „Chancen im Interesse der Patienten zu nutzen“, erklärte der damalige Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) anlässlich der Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding (MoU) im April 2012.(1) Wie ernst es dem BMG mit den „Interessen der Patienten“ ist, lässt sich leicht an seinen Aktivitäten nachvollziehen: Weiterlesen

Mag Wompel in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 2, Mai 2015

VIOME ist eine Fabrik in Thessaloniki, die Baustoffe herstellte und im Mai 2011 von ihren Besitzern verlassen wurde. Die zweiundzwanzig Arbeiterinnen und Arbeiter, die über ein Jahr lang ohne Lohn waren, haben sie in der Folge besetzt. Nachdem Interventionen bei den Ministerien erfolglos geblieben sind, haben sie beschlossen, die Fabrik in Selbstverwaltung unter Arbeiterkontrolle weiterzuführen – und von nun an Bioputzmittel herzustellen.

Aktuell steht der Kampf um VIOME wieder einmal an einem Wendepunkt. Weiterlesen

Nadja Rakowitz in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 2, Mai 2015

Der Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte hat in den Jahren 2013 und 2014 jeweils eine Delegationsreise nach Athen und Thessaloniki organisiert. Wir wollten uns ein Bild von den Auswirkungen der Austeritätspolitik auf das Gesundheitswesen machen, mit Menschen aus solidarischen Initiativen sprechen und die Möglichkeiten konkreter praktischer Solidarität ausloten. Neben den erschütternden Begegnungen mit Patientinnen und Patienten und z.T. inhaftierten Flüchtlingen und Gesprächen mit verzweifelten Krankenhaus-Beschäftigten war und ist das am meisten Beeindruckende – und weit über die Gesundheitspolitik hinausgehende – die Bewegung der solidarischen Praxen. Weiterlesen

Katarina Notopoulou in FaktenCheck:HELLAS Nr. 2, Mai 2015

Das Recht auf Gesundheit ist das Recht, das in den letzten fünf Jahren in Griechenland am schärfsten verletzt wurde. Es gibt inzwischen eine Menge an wissenschaftlichen Studien, die belegen dass Massenarmut, Arbeitslosigkeit und die Deregulierung von Arbeitsbedingungen krank machen und auch Tod zur Folge haben: Die Zahl der Selbstmorde steigt, es gibt immer mehr so genannte „soziale Pathologien“ (Drogenmissbrauch, Alkoholismus, interfamiliäre Gewalt usw.). Aber nicht nur das: Sie führen auch zu einem Anstieg der Mortalität und dem tödlichen Ausgang von Krebserkrankungen, zu Herzproblemen und Infektionskrankheiten. Weiterlesen

Nikos Chilas in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 2, Mai 2015

Er ist durch nichts zu entmutigen. Fast 100 Tage nach seiner Ernennung zum griechischen Regierungschef zeigt sich Alexis Tsipras völlig zuversichtlich. Möge der griechische Staat auch noch so bankrott sein und die „Institutionen“ – ehemals Troika – mit Europäischer Zentralbank, Europäischer Kommission und Internationalem Währungsfond einen unnachgiebigen Finanzkrieg gegen ihn führen – er bleibt, wie ein Radiokommentator sagte, „cooler als der kühlste Nordeuropäer“.

Diese Coolness zeigte er auch vor einer Woche bei seinem Gespräch mit Angela Merkel in Brüssel am Rande des EU-Sondergipfels für die Flüchtlinge. Dabei ging es um eine für ihn existenzielle Frage: Den Abschluss des inzwischen verlängerten (zweiten) Hilfsprogramms für Griechenland, der die letzte Geldtranche von etwa 7,8 Milliarden Euro für Athen frei machen würde. Der Inhalt des Gesprächs blieb vertraulich, wahrscheinlich hat es auch nicht viel ergeben. Egal: Es hat Tsipras nicht gehindert, sich wieder „optimistisch“ mit Blick auf eine baldige Einigung zu erklären. Weiterlesen

[aus: FaktenCheck:HELLAS Nr. 2, Mai 2015]

Medien-Argumente zu Griechenland –FaktenCheck:HELLAS-Antworten zum Thema: „Reiche Griechen – mit Steuerfreiheit“

Ein Standardargument derjenigen, die die neue griechische Regierung kritisieren, lautet: Die treiben doch nicht das Geld bei den reichen Griechen ein! Was ist mit den griechischen Reedern? Warum fangen die nicht an, vor der eigenen Tür zu kehren; warum wird da ganz im altgriechischen Sinn nicht endlich mal „der Augias-Stall ausgemistet“. FaktenCheck:HELLAS stellt diese geläufigen Argumente vor und liefert Antworten. Weiterlesen

[aus: FaktenCheck:HELLAS Nr. 2, Mai 2015]

Herr Schäuble!

Sie haben sich ja am 24. April in Riga beim Treffen der Eurozonen-Finanzminister dezent zurückgehalten. Das war echt gekonnt, wie Sie und Herr Dijsselbloem dabei die Kleinen vorschickten: Der Österreicher durfte mal „Ich bin genervt“ kreischen. Der Slowene keifen: „Wir brauchen jetzt einen Plan B.“ Der Slowake sich zu den – an Varoufakis gerichteten – Sätzen aufpumpen: „Ich kann Dir kein Geld geben, um die Renten in Griechenland zu zahlen.“

Mal ehrlich, Herr Schäuble: Griechenland ist für Sie ja längst im Orkus oder Hades. Weiterlesen

Update vom 26. April: Ausgabe 2 ist fertig. Ansichtsexemplar hier

Alle 72.000 Zeitungen der ersten Ausgabe von FaktenCheck:Hellas sind inzwischen ausverkauft – herzlichen Dank! Ab Montag nächster Woche (27. April 2015) kann die zweite Ausgabe ausgeliefert werden – Bestellungen nehmen wir bereits entgegen. Alle Bestellungen, die uns bis zum 27. April (= Druck- und Vertreibstermin) vorliegen, sollten die Bestellenden in der BRD bis zum 30. April erreicht haben. Stichwort: 1. Mai!