Margarita Tsomou und Alexis J. Passadakis in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

Angesichts des Spardiktats im europäischen Süden und des Massensterbens von Geflüchteten im Mittelmeer ist die Schmerzgrenze längst überschritten: Aus den viel gepriesenen Versprechen europäischer Integration – Demokratie, geteilter Wohlstand, Freiheit – ist nichts geworden: Es herrscht technokratischer, brutaler Wahnsinn. Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag und dem Beginn der Griechenland-Solidaritätswoche des Weltsozialforums, werden wir in Berlin ausrufen: Diese EU ist nicht unser Europa. Und zwar zeitgleich zu ähnlichen Demonstrationen in Rom, London, Brüssel und vielen anderen Städten Europas.

Ja, es gibt sie, die Menschen, die es nicht mehr ertragen: Weiterlesen

Aus: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

Im April 2015 richtete die Nichtregierungsorganisation „Zug der Erinnerung“ und die jüdische Gemeinde von Thessaloniki ein Schreiben an die Deutsche Bahn AG, zu Händen u.a. von Dr. Rüdiger Grube. In diesem heißt es u.a.: „Wir wenden uns an die Deutsche Bahn AG als historische Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichsbahn, und fordern Sie auf, den Erben der griechischen Holocaust-Opfer von Thessaloniki die Fahrtkosten für die zwischen März und August 1943 erzwungenen Deportationen nach Auschwitz und Treblinka zurückzuerstatten.“ In dem Brief wird nachvollziehbar vorgerechnet, dass die Reichsbahn damals für die Transporte in Güterwagen, meist Viehwaggons, 2 Reichspfennig je Schienenkilometer berechnete, sodass für die 1.985 km lange Strecke Thessaloniki Aufschwitz/Treblinka 39 Reichsmark für jeden Deportierten berechnet wurden. Insgesamt soll die Deutsche Reichsbahn einen Betrag von rund 2,3 Millionen Reichsmark allein aus diesen Deportationen eingenommen haben.

Das Modell, dass die Deportierten für die Transporte in den eigenen Tod bezahlen musste, hatte die Reichsbahn so gut wie überall bei den Holocaust-Transporten angewendet. Weiterlesen

Liebe Schwestern und Brüder,

wir haben Euren „Anderen Thessalonicherbrief“ an den DEKt erhalten und beraten. Wir sind mit Euch über die Krise, die der Kapitalismus für die Mehrheit der Menschen weltweit erzeugt, beunruhigt. Deshalb hatten wir uns schon zuvor vor dem DEKt verabredet, um aus dem Geist der Ökumenischen Versammlungen, eine Resolution zur Schuldenkrise zu verabschieden.

Euer Brief mit der Bitte um einen Dialog mit uns darf nicht unbeantwortet bleiben.

Wir schämen uns als Bürgerinnen und Bürger, als Christinnen und Christen, als Europäerinnen und Europäer über die Hartherzigkeit, ja die Brutalität, mit der gerade von unserer deutschen Bundesregierung ohne Rücksicht auf die betroffenen Menschen, ohne Blick auf die Arbeitnehmer- und Menschenrechte das neoliberale Austeritätsprogramm durchgesetzt wird. Wir sagen: Weiterlesen

Erklärung der FCH-Redaktion: Wir freuen uns, dass wir den unten folgenden gemeinsamen ökumenischen Brief von Frauen und Männern verschiedener Kirchen in Griechenland, darunter prominente Professoren und Professorinnen, der Dekan einer Fakultät, eine Dichterin, eine Islamwissenschaftlerin, ein Priester und Mitglieder im Ökumenischen Rat der Kirchen in unserer Publikation FCH veröffentlichen können. Er richtete sich an den Evangelischen Kirchentag, der in Stuttgart vom 3. bis zum 6. Juni mit mehr als Hunderttausend Besucherinnen und Besuchern stattfindet. Möge dieser Brief Türen öffnen und neue Diskurse entfachen. Siehe dazu eine Antwort von Teilnehmer*innen des Kirchentags

Von Theologen und Theologinnen aus Thessaloniki/Griechenland in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

 „Das Recht ströme wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach!“ (Prophet Amos 5, 24)

Thessaloniki Mai 2015. Wir wenden uns mit diesem Brief an alle, die am Evangelischen Kirchentag 2015 teilnehmen und an alle, die beunruhigt sind über die ökonomische Krise und ihre verheerenden Folgen für weite Teile der Bevölkerung in Griechenland. Wir suchen den Dialog, um gemeinsam der Propaganda und den Beleidigungen der Menschen in unserem Land und der neu gewählten Regierung entgegen zu treten und um für eine Berichterstattung über Griechenland und eine Politik zu werben, die an Gerechtigkeit und Gemeinwohl orientiert sind. Weiterlesen

kriegszerstoerung-griechenlandKarte zu deutscher Kriegszerstörung 1940-45 in Griechenland – hier ein Ausschnitt; gesamte Karte abgedruckt in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015
(oder hier als PDF)

Die Karte hat die Überschrift „Zerstörte Städte und Dörfer [in Griechenland] in Folge des Krieges 1940-45 – 1. Ausgabe Athen 1945“. Sie wurde vom griechischen Ministerium für Soziales erstellt in Vorbereitung auf die Inter-Alliierte Reparationskonferenz in Paris um die Jahreswende 1945/46. Sie befindet sich heute im Archiv des griechischen Parlaments und wurde dort jüngst im Rahmen der neu aufgeflammten Debatte über die Verbrechen in Griechenland während der NS-Besatzung und durch Wehrmacht und SS gezeigt. Weiterlesen

Ein Interview mit der Aktivistin Marina Karastergiou vom Koordinationskreis der Trägervereine Ierissos, Chalkidiki

von Alexis J. Passadakis, Attac in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

Griechenland soll zum größten Goldproduzenten Europas werden. Das ist zumindest der Plan des Unternehmens Hellas Gold, das von dem kanadischen Konzern ELdorado Gold mit 95 Prozent Anteil an den Eigentumsrechten kontrolliert wird. Auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki, südöstlich von Thessaloniki, soll dazu ein neuer 200m tiefer Tagebau entstehen. Die Arbeiten haben bereits begonnen. Der Tagebau liegt in einer bergigen Region, die zu 90 Prozent aus Wald, teilweise Primärwald, besteht, und die ein Wasserreservoir für die Region ist. Dagegen formiert sich massiver Protest. Lokale Initiativen wenden sich gegen die weiträumige Zerstörung der Landschaft, vor allem aber gegen die Gefahren für die Menschen durch mit Zyanid vergiftetem Wasser. Mit dieser Chemikalie soll das Gold aus dem Geröll gelöst werden. Abgesehen von den Protesten gegen das Spardiktat bringt kein anderes Thema in Griechenland so viele Menschen auf die Straße, wie diese absehbare Katastrophe für Mensch und Natur.

A.P.: Wie hat sich euer Protest gegen den Gold-Tagebau seit dem Wahlsieg von SYRIZA verändert? Weiterlesen

Aus: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

Costas Lapavitsas ist Wirtschaftsprofessor in London und seit Ende Januar Mitglied im griechischen Parlament, gewählt auf der SYRIZA-Liste. Lapavitsas repräsentiert die linke Minderheit in SYRIZA. Er plädiert für einen schnellstmöglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro. Seine Position in Auszügen:

„Ich sehe als Ökonom nur eine Lösung: Ausstieg aus dem Euro. Optimal wäre ein verhandelter Ausstieg, kein umkämpfter. Verhandelt heißt: Im Gegenzug müsste es einen 50-prozentigen Schuldenschnitt geben. Entscheidend wäre, Weiterlesen

Aus: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

Wenige Tage nach dem Militärputsch vom 21. April 1967, mit dem die faschistischen Obristen die Macht in Griechenland übernahmen, gründete Fotios Gouras, CSU-Mitglied und persönlicher Freund des CSU-Chefs Franz-Josef Strauß, in München die „Nationale Bewegung der Griechen in der Bundesrepublik Deutschland – E.K.E.“ Die Organisation schmückte sich mit dem Faschisten-Emblem, einem Phönix mit einem bajonettbewehrten Soldaten. Die E.K.E.-Kader bespitzelten griechische Gastarbeiter in der BRD und terrorisierten griechische Studierende in Deutschland, die gegen die Junta protestierten. Strauß erklärte kurz nach dem Putsch: Weiterlesen

Werner Rügemer in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

US-amerikanische und britische Militärs zerschlugen nach 1945 in Griechenland den starken antifaschistischen Widerstand: Er durfte nicht an die Regierung kommen. Großbritannien und die USA unterstützten die griechischen Nazi-Kollaborateure und bauten mit ihnen den antikommunistischen Nachkriegsstaat auf. Die USA bauten in Westeuropa einen antikommunistischen Staaten- und Wirtschaftsblock auf. Die wichtigsten Instrumente dafür waren der Marshall-Plan und die NATO. Griechenland wurde 1952 NATO-Mitglied. Es sollte als südlicher Vorposten gegen die neuen sozialistischen Staaten und gegen Tito-Jugoslawien dienen. Die Gelder des Marshall-Plans (1947-1952) wurden auch an die griechische Regierung nur unter der Bedingung vergeben, dass Parteiensystem, Gewerkschaften und öffentliche Verwaltung von Kommunisten, Sozialisten und dergleichen gesäubert wurden.

Doch der demokratische Widerstand ließ sich auf Dauer nicht ganz unterdrücken. Weiterlesen

Sahra Wagenknecht in: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

Statt mit Mafia-Methoden zu versuchen, von einem völlig verarmten Land weitere Sozialkürzungen zu erpressen, muss Kanzlerin Merkel einen Schuldenschnitt durchsetzen und Griechenland wirtschaftlich wieder auf die Beine helfen. Warum sollte die griechische Bevölkerung weiter bluten, nur damit Kredite ausgezahlt werden, mit denen alte Kredite abgelöst werden? Dieser unwürdige Kreislauf muss durchbrochen werden. Allerdings müsste Merkel damit eingestehen, dass sie zig Milliarden Steuergelder in den Sand gesetzt hat. Weiterlesen