Weil sie, als Teil eines landesweiten Friedensprotestes, an einer Arbeitsniederlegung der linken Bildungsgewerkschaft Eğitim Sen am 29. Dezember 2015 teilgenommen hatten, sind am 8. September dieses Jahres 11.285 Lehrerinnen und Lehrer per Notstandsdekret wegen angeblicher Terrorunterstützung – hier: der PKK – entlassen worden. 928 der Betroffenen leben in Hatay, der südlichsten Provinz der Türkei, und davon wiederum 223 in der Gemeinde Samandağ. Am 12. September kamen dort Hunderte zu einer Versammlung gegen die Entlassungen zusammen. Gemeinsam wurde beschlossen, ab sofort und bis auf weiteres täglich eine Sitzblockade auf dem zentralen Abdullah-Cömert-Platz abzuhalten. Und so geschieht es seitdem: am 2. November 2016 zum 55. Mal. „Öğretmenime dokunma – Fass meinen Lehrer nicht an!“ – lautet der Slogan zum Protest. Womit bereits deutlich wird, dass zum Kreis der Betroffenen nicht nur Lehrerinnen und Lehrer gehören, sondern selbstredend auch deren Schülerinnen und Schüler – die wiederum ihre Eltern mitbringen. Seit 55 Tagen. Unterstützung gibt es selbstverständlich von Gewerkschaftsvertretern – und sogar von einigen Vertretern der örtlichen, sozialdemokratisch-kemalistischen CHP. Angesichts der Entlassungen erklären die protestierenden Lehrerinnen und Lehrer unverdrossen: „Wir werden uns der Repression nicht beugen!” Am 55. Protesttag haben sie unter der Überschrift “Ich kümmere mich um meinen Lehrer” eine Plattform gegründet, die nicht nur die Betroffenen unterstützen, sondern auch Widerstand und Hoffnung in der Bevölkerung verbreiten soll. Die Sitzblockaden sollen weitergehen.

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