Aus: FaktenCheck:HELLAS Nr. 3, Juni 2015

Costas Lapavitsas ist Wirtschaftsprofessor in London und seit Ende Januar Mitglied im griechischen Parlament, gewählt auf der SYRIZA-Liste. Lapavitsas repräsentiert die linke Minderheit in SYRIZA. Er plädiert für einen schnellstmöglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro. Seine Position in Auszügen:

„Ich sehe als Ökonom nur eine Lösung: Ausstieg aus dem Euro. Optimal wäre ein verhandelter Ausstieg, kein umkämpfter. Verhandelt heißt: Im Gegenzug müsste es einen 50-prozentigen Schuldenschnitt geben. Entscheidend wäre, dass der Ausstieg durch die EZB geschützt ist und die EZB dafür sorgt, dass die neue Währung nicht mehr als 20 % abwertet und die Banken überleben. […] Bei einem umkämpften Ausstieg müsste Griechenland sofort die Bezahlung seiner Schulden einstellen. Dann gäbe es Verhandlungen über eine Umschuldung […] Der IWF weiß, dass umgeschuldet werden muss. Es sind die EU und die Eurozone, die das bislang verhindern. Umschuldung heißt: Die Bedienung der Schulden kann warten, andere Probleme sind vordringlicher. […] In diesem Fall müssen sofort Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden. Sodann geht es darum, zu welchem Kurs die alte gegen die neue Währung umgetauscht wird. […] Die Banken werden umgehend verstaatlicht. Das Bankensystem, nicht nur das griechische, hat versagt, es muss komplett reorganisiert werden. [….] Die Gewerkschaften der Bankangestellten […] wollen einen Beitrag bei der Reorganisierung und Leitung der neuen Banken leisten. […]

Eine der Folgen der Sparpolitik der letzten Jahre war die Atomisierung der Gesellschaft […] Ein Ausstieg aus der Währungsunion führt zum entgegengesetzten Ergebnis: Er schafft ein Gefühl des Zusammenhalts, von sozialer Solidarität und neuem Mut. Das setzt natürlich voraus, dass dieser Ausstieg von einer linken Regierung angeführt wird, die sich den Interessen der arbeitenden Bevölkerung und der Armen verpflichtet sieht.“

Auszüge aus einem Interview mit C.L., erschienen im linken US-Magazin Jacobin; März 2015.

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